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Isle of man TT:

Es ist das Jahr 1985. Die große Freiheit in Gestalt der Zündapp KS 80 Super, die ich von meinem Bruder übernommen habe, ist bei mir angekommen. Fast jeder in der Clique hat eine 80er und wir sind ständig unterwegs. Was für eine geile Zeit! Abends in einem Partykeller lesen wir Motorradzeitschriften. Da gibt es einen Beitrag über die TT auf der Isle of Man. Keine Frage - Da müssen wir hin! Als wir uns dann ernsthaft mit den Kosten auseinander gesetzt haben, war der Traum schnell geplatzt. Das war für uns Jugendliche einfach nicht zu bezahlen. Aber Irgendwann, irgendwann fahren wir dahin!

Vorbereitungen:
Meine Mopeds sind generell in einem ordentlichen Zustand, nichts desto trotz bedarf es bei einer größeren Tour doch einer intensiven Durchsicht. Die Fährtermine sind fix und es war zumindestens auf der Manxman nicht möglich umzubuchen, da ein Jahr im vorraus für die beiden Wochen der TT alles ausgebucht ist. Auf dieser Tour durfte daher dem Zufall nicht viel Raum gegeben werden. Pro Etappe hatten wir in etwa 1 bis 2h Zeit für etwaige Reparaturen eingeplant.

Wichtig ist trockenes, gut händelbares Gepäck, daher hatten wir uns für Ortlieb Fahradtaschen mit Rollverschluss entschieden.



Gerade für diese Tour eine goldrichtige Wahl, wie sich später noch herausstellte. Die linke Tasche passt gut an den original-Träger, für die rechte habe ich eine Hilfskonstruktion gebaut, damit die Tasche über dem Auspuff hängt. Das ist leider optisch nicht symetrisch aber praktisch. Auf der linken Seite habe ich das Satteltaschenrohr zum Ausklappen durch eine längeres ersetzt, damit die Tasche nicht an der Kette reibt.

Werkzeug und Erstazteile:
Polradabzieher, 6er Bohrer, Ratschenkasten klein, Montiereisen, Zange, Kettentrenner, Kolbenstopper Kupplungssonderwerkzeug, Wasserpumpenzange, Polradabzieher, Schlauch, Motoplat Zündung, Regler, Kette, Kettenschloss, Sicherungen, Lampenbox, Zündkerzen, Zündkerzenstecker, Dichtungssatz Zylinder und Seitendeckel, Draht, Panzerband, Dichtungsband, Benzinschlauch, Ganghebel, Kühlwasserschläuche, Druckluftpatronen, 3x original Gaszug, 3x Kupplungszug, Tachowelle, Kettenspray groß, Flickzeug, Meßbecher für 2-Taktöl, Schlüssel 8er, 10er, 13er Fährtickets, Internationale Versicherungskarte, Fahrzeugschein im Original, Müller Ratsche groß, 17er 19er 21er 22er Nuß, 2 Zurrgurte pro Mopped, 2-Takt-Öl pro Mopped 2 Liter, Getriebeöl 0,5 Liter, Panzerband klein, Handtuch für Sitzbank, Wasserflasche, Benzinhahn

Teilnehmer:
mein Bruder Ansgar, meine beiden Töchter Katharina und Victoria und ich

Tag 1: Guldental - Meckenheim - Rotterdam - Nachtfähre Pride of Rotterdam nach Kingston up Hull (Großbritannien) 479km
Tag 2: Kingston up Hull - Morecambe 391km
Tag 3: Morecambe - Heysham - Fähre Manxman nach Douglas (Isle of Man) 15km
Tag 4: Rundfahrt Isle of Man inkl. Snaefall Mountain Course 131km
Tag 5: Douglas - Fähre Manxman nach Heysham - Kingston up Hull - Nachtfähre Pride of Hull nach Rotterdam 261km
Tag 6: Rotterdam - Guldental 491km


25.05.2024
Irgendwann ist heute (39 Jahre später): geplante Abfahrt 06:45 Uhr. Die Sonne scheint und alle sind da. Die Werkzeuge und Erstazteile waren hauptsächlich bei den Mädels im Gepäck - ein vergeblicher Versuch den BMI auszugleichen. Victorias Sport war unser Öltanker, Sie hatte u.A. acht Liter 2-Takt Öl im Tankrucksack. Nur ein Reisepass ist unauffindbar. Wessen Reisepass ist das wohl? 45 hektische Minuten später ist auch der Reisepass gefunden und es kann endlich losgehen. Wir wurden netterweise von einem Bekannten, den wir beim 100 jährigen Zündapptreffen in Sigmaringen kennengelernt hatten, zu einer Kaffeepause in Meckenheim eingeladen. Ich hatte uns zwischen 08:00 und 09:00 Uhr angekündigt. Wenn wir jetzt "ALL IN" gehen, könnte 09:00 Uhr noch klappen. Am letzten Kreisel vor der Autobahn packe ich meine Onboard-Kamera wieder ein. Victoria sieht es und wartet auf mich. Ansgar und Katharina sehen es nicht und fahren schon auf die Autobahn. Wir hinterher - aber wo sind sie? Schauen die nicht mal in den Rückspiegel? Fahren die jetzt schon Rennen? Ich hänge die Hunsrück-Anstiege hoch, ständig zwischen dem vierten und fünften Gang. Gegenwind, Packtaschen, Tankrucksack, Fahrergewicht fordern Ihren Tribut. Irgendwann registrieren sie dann doch, dass wir nicht dabei sind und fahren etwas langsamer. Wir brauchen bis Pfalzfeld um sie einzuholen. Ohne Stopp fahren wir bis Meckenheim.

Das Navi zeigt 08:59 Uhr. Dort werden wir schon erwartet und es gibt sehr viel rund um Zündapp zu sehen und zu erzählen, sodaß wir länger bleiben als geplant. Es ist wirklich erstaunlich, wieviel sehr nette Menschen ich schon durch das Zündapp-Hobby kennengelernt habe. Zur Abwechslung fahren wir auf der Landstraße weiter. Irgendwann müssen wir dann doch wieder auf die Autobahn - die Fähre in Rotterdam wartet nicht auf uns. Bis zu unserem ersten Tankstopp in Venlo ist das Wetter schön, doch der Himmel wird in Fahrtrichtung dunkler. Der Regen wird uns bis Rotterdam begleiten. Wir durchfahren noch mehrere lange Staus. Regen, schlechte Sicht durch die Gicht, im Stau an den Autos vorbei - das ist schon sehr antrengend. Kurz hinter Rotterdam lässt der Regen nach und Ansgars und mein Motorradanzug trocknen gut. Katharina und Victoria haben in der Vorbereitung unseren Empfehlungen was das Imprägnieren der Kleidung etc. angeht, nicht so genau hingehört. Ob sie sich jetzt an meine Worte erinnern? Sie sind nämlich beide gut durchnässt.



Der Rotterdammer Hafen ist wirklich riesig und wir steuern kurz vor dem Fährterminal noch eine Tankstelle an. Wir halten es auf der Zündapp-Tour genauso, wie auf unseren Motorradtouren: Es wird abends noch vollgetankt, damit man am nächsten Morgen nicht kurz nach dem Losfahren, schon wieder anhalten muss. Das Fährterminal erreichen wir rechtzeitig und vor uns hat sich schon eine Schlange mit Motorradfahrern gebildet. Die Zündapps werden sogleich bewundert und es wird mit Erstaunen festgestellt, dass wir auf eigener Achse angereist sind. Geschätzt zwei Drittel hat ihre Motorräder nach Rotterdam mit dem Anhänger transportiert. Als wir dann erzählen das wir auch auf die Isle of Man fahren, wünschen Sie uns alle viel Glück, dass wir die Fähre in Heysham auch erreichen. Den Gesichtern nach zu urteilen, trauen uns das die Wenigsten zu. Wir sind guter Dinge, die ersten 470km sind die Zündapps einwandfrei gelaufen.

Das Boarding auf der Fähre läuft ab, wie es eigentlich immer abläuft. Irgendwo in der Schlange vor Dir, steht einer, der sein Ticket oder Pass nicht findet, dem sein Moped nicht mehr anspringt oder dem sein Moped beim Verzurren umfällt. Genau in der Reihenfolge auch hier. Die Kabine ist klein aber sauber und bevor wir keine online-Verbindung mehr haben, checke ich noch schnell das Wetter. Oha, die Fahrt morgen wird nichts für Warmduscher.

26.05.2024
Als wir Sonntag Morgen in Hull einlaufen, ist das Wetter wie vorhergesagt. Es regnet. Nach dem Anlegen binden wir die Mopeds los und stellen uns anschließend im Regen, dem Brexit sei Dank, in die Schlange für die Passkontrolle. Die machen Ihre Sache sehr gründlich und dementsprechend gut ist die Stimmung in der Warteschlange. Die meisten Motorradfahrer fahren direkt über die Autobahn nach Heysham und nehmen die Mittagsfähre. Das war mir bei der Planung zu risikoreich, da es bedeutet innerhalb von vier Stunden 245km von Hull nach Heysham zu fahren. Ein längerer Stau oder ein kleiner Defekt am Moped und die Fähre ist weg. Daher habe ich eine schöne Strecke über 390km durch mehrere Nationalparks bis nach Morecambe ausgesucht. An den Ausfallstraßen von Hull kommen die ersten Tankstellen in Sicht. Lange Schlangen von Motorradfahrern an den Zapfsäulen, teils im Regen auf freie Säulen wartend. Wir konzentrieren uns auf den Linksverkehr und suchen am Himmel nach Auflockerungen. Nichts zu sehen, leider stimmt der Wetterbericht. Ein Stück der Route teilen wir uns mit den Motorradfahrern die direkt nach Heysham fahren. Der Regen geht in Starkregen über. Es hilft nichts, es ist den ganzen Tag auf der ganzen Strecke Regen gemeldet. Aufgrund des Wetters haben wir uns entschieden erst einmal 200km Schnellstraße zu fahren. Bei den Witterungsverhältnissen sind knapp 400km Landstraße nicht zu schaffen. Der Starkregen wird nur unterbrochen, von wolkenbruchartigem Starkregen. Nach 100km kommen die ersten Motorradfahrer von den Tankstellen an uns vorbeigerauscht. Wir fahren wie in Trance. Gedanken gehen einem durch den Kopf. Wie lange halten die Mopeds das aus? Kühlwassertemperatur liegt bei Dauervollgas im fünftem Gang bei nur 40 Grad. Hoffentlich saugt das Lüfterrad das bei der 537 auf dem Polrad sitzt, kein Wasser ein. Gut das ich bei allen vier Mopeds relativ neue Zündkerzenstecker montiert habe. Die neuen Ketten dürften jetzt komplett fettfrei laufen.

Normalerweise fahren wir so lange weiter bis der Regen aufhört und die Anzüge durch den Fahrtwind etwas trocknen. Es hört aber einfach nicht auf zu schütten, sodaß wir nach 200km eine Servicestation ansteuern. Die Mopeds in Sichtweite geparkt setzen wir erst einmal unsere Sitzplätze unter Wasser. Katharina und Victoria sind bläulich angelaufen und zittern wie Espenlaub. Ihre Motorradklamotten können sie auswringen. OK jetzt ist erst mal aufwärmen angesagt und wir legen eine längern Stop ein. Ich traue es ja kaum zu schreiben aber Ansgar und ich sind in unseren Rukka-Anzügen komplett trocken geblieben. Nach zwei Stunden geht es weiter. Der Wolkenbruch ist vorbei, jetzt regnet es nur noch. Noch mal kurz auf die Schnellstraße und dann hinein in den Nationalpark.



Wir fühlen uns wie am Filmset von "Der Doktor und das liebe Vieh" falls das noch jemand kennt. Wunderschöne Strecke, leider nass und wir müssen höllisch aufpassen mit den Mopeds nicht wegzurutschen. Nach weiteren 100km hört es wirklich mal auf zu regnen. Sofort mache ich meine Cam an und filme mal ein paar Kilometer die tolle Landschaft. Kurz vor Ingleton fängt es wieder an zu schütten aber das Tagesziel ist nicht mehr weit. Früher als erwartet muss ich auf Reserve schalten, was nichts gutes ahnen lässt, da bei meinem Moped das Röhrchen für die Reserve sehr kurz ist und mein Moped auch 1,5l mehr pro 100km braucht, als die anderen. Kurz vor der nächst größeren Ortschaft bekommt der Motor keinen Sprit mehr. Kurz anhalten, Mopped auf die Seite legen damit der Sprit von der rechten Seite zur Benzinhahnseite läuft. Jetzt geht es wieder 4km. Das Spiel wiederholt sich noch zwei Mal, dann ist der Tank wirklich leer. Wir zapfen bei Victorias KS80Sport ein wenig Sprit ab, sodass ich es bis zur Tankstelle schaffe. Ich tanke 14 Liter. Nachdem wir fertig sind mit tanken, hört es endlich auf zu regnen und wir genießen die letzten 30km zum Hotel in Morecambe.

Das war heute definitiv nichts für Warmduscher. Bin richtig stolz auf Katharina und Victoria, dass sie das so souverän bei diesen Bedingungen, ohne sich zu beschweren, durchgefahren sind. Meine Töchter bringen sich im Badezimmer wieder auf 37 Grad Körpertemperatur, während Ansgar und ich uns mal um die Mopeds kümmern. Nach dieser Extremfahrt spannen wir an allen Mopeds die Ketten nach, schauen nach dem Getrieböl und verpassen ihnen eine ordentliche Portion Kettenspray. An meinem Mopped hat sich der Seitenständer gelockert und lässt sich auch nicht mehr festziehen. Das Gewinde ist hin. Bevor ich ihn verliere, baue ich ihn ab und verstaue ihn im Tankrucksack. Dann genießen wir das nette Hotel, gehen nochmal ans Meer und lassen den Tag bei ein paar Drinks Revue passieren.



27.05.2024
Da wir heute nur 10km zum Fähranleger haben, können wir ausschlafen und in Ruhe frühstücken. Am Fähranleger angekommen das übliche ungläubige Staunen der Biker, dass wir mit den alten Zündapps auf eigener Achse zur Isle of Man fahren. An einer Art Zollkontrolle werden wir gefilzt und müssen unsere Packtaschen z.Teil ausräumen. Die Unterwäsche und Schuhe waren dann doch nicht so von Interesse, sodass wir passieren durften. Die Fähre Manxman von Heysham nach Douglas ist erst im August in Dienst gestellt worden und dementsprechend komfortabel. Auf dieser Fähre werden die Bikes vom Schiffspersonal auf spannende Weise verzurrt. Es braucht aber akrobatische Fähigkeiten um dann aus dem Bereich wieder heraus zu kommen.



Auf der Fähre gibt es Free-Wifi und so erfahren wir, dass das Qualifying von Mittags auf Abends verlegt wurde. Nach dem Anlegen checken wir also schnell im Hotel ein und begeben uns direkt zum Bray Hill an der Rennstrecke. Live zu erleben, mit welcher Geschwindigkeit die Fahrer auf diesem Kurs auch innerorts unterwegs sind, ist einfach unbeschreiblich. Vorher haben wir uns ja schon youtube Videos angeschaut, allerdings bringt das noch nicht mal ansatzweise den Speed rüber, mit dem die Fahrer da unterwegs sind.

28.05.2024
Es schüttet es wie aus Eimern, sodaß wir im Hotel erst einmal gut frühstücken und uns noch ein wenig erholen. Mittags kommt dann die Sonne raus und wir wollen die legendäre Rennstrecke, den "Snaefall Mountain Course" mit den Zündapps fahren. An den Fähranlegern gab es dazu verschiedene Meinungen. Von geht gar nicht, absolut lebensgefährlich bis ja wenn Ihr den Rückspiegel benutzt, machbar. Also haben wir beschlossen uns selbst ein Bild der Lage zu machen. Wenn es zu wild wird, fahren wir von der Rennstrecke wieder ab. Auf der Rennstrecke ist erst einmal Stau. Nach ein paar Kilometer löst das dieser aber auf und wir können normal fahren. Sehr viel Geschwindigkeitsmessungen der Polizei, zivile Motorradstreifen mit Videoausrüstung, also reines Wild West Geheize ist das hier nicht. Die Strecke ist wunderschön, die Sonne scheint - ein Traum. Ab Ramsey wird der Mountain Course, auch wenn er nicht für die Rennen gesperrt ist, als Einbahnstraße geführt. Auf der Isle of Man gibt es außerorts keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Es geht ziemlich kurvig steil bergauf, Ansgar und ich oft nur im zweiten Gang. Kahtarina und Victoria fahren hier im vierten und sind schnell aus unserem Sichtfeld verschwunden. Gerade als die Bäume verschwinden, höre ich von hinten das erste schnelle Bike. OK, so wie wir es besprochen haben: ganz links fahren und den Lenker festhalten. Wow, die ballern wirklich mit über 250 km/h in 30cm Abstand vorbei. Weiter geht es die Strecke hinauf zum Bungalow, immer ein Auge auf den Rückspiegel, damit wir den Racern nicht im Weg stehen.



Als wir am Bungalow (Streckenabschnitt auf dem Mountain Course) ankommen, wollten wir dort eigentlich ein Foto mit den Zündapps vor dem Joe Dunlop Denkmal machen. Leider ist der Weg dorthin wegen der gleich beginnenden Qualifikation schon gesperrt. Die netten Marshals empfehlen uns, uns jetzt zu beeilen, dass wir es noch bis Douglas schaffen, bevor die Strecke vollständig gesperrt wird. OK, wir geben alles und kurz hinter Bungalow geht es fast nur noch bergab und wir gehen All IN! Rechts setzt der Auspuff und links der Seitenständer auf. Die Zuschauer auf den zahlreichen Tribünen an der Strecke sind aufgrund unserer Langsamkeit und des Zweitaktgeknatters irritiert und schauen in unsere Richtung. Wenn wir dann die Tribünen passieren, sehen wir viele Dauemn hoch und lachende Gesichter. Wir schaffen es tatsächlich vor Streckenschließung bis nach Douglas und haben mit unseren Zündapps den kompletten Mountain Course (60,725km) auf der Isle of Man gefahren! We did it! Anschließend vergnügen wir uns noch im Fanpark und dem Fahrerlager. Im Fahrerlager kommen wir dann noch kurz mit Peter Hickmann, einer der besten Roadracer weltweit und aktueller Rekordhalter auf der Isle of Man, ins Gespräch. Einer seiner Mechaniker ist aus Magedeburg und Victoria erzählt ihm, dass wir mit vier 80er Zündapps hier angereist und anschließend den Mountain Course gefahren sind. Riesen Gegröle in der ganzen Box die uns sogleich für völlig verrückt erklärt. Wohlgemerkt, einer der mit über 300 km/h an Hauswänden vorbei brettert, hält uns für verrückt. Ansgar gab Hicky dann noch scherzhaft einige Fahrtipps für die Strecke. Ein Erinnerungsfoto darf nicht fehlen. Länger wollten wir das Team aber auch nicht aufhalten, da in 20 Minuten das Qualifying beginnt und Hicky noch völlig tiefenentspannt in Jeans herumlief.



Das Qualifying wollten wir uns dann auf der Haupttribüne anschauen. Leider wurde daraus nichts, Regenschauer an einigen Stellen der Rennstrecke machten das unmöglich. Das Qualifying wurde abgesagt. Die Zündapps haben wir dann wieder in der Tiefgarage des Hotels geparkt und den Abend bei Buffys nett ausklingen lassen. Was für ein wunderschöber Tag.

29.05.2024
Auf unserer Buchungsbestätigung steht für Mittwoch morgen 5:45 Uhr Close Boarding, dabei soll die Fähre erst um 08:00 Uhr ablegen. Naja, bevor sie uns nicht mitnehmen stehen wir bei Zeit auf und sind um 05:40 Uhr am Hafen. Wir stehen mit vielen anderen Bikern vor verschlossenen Toren. Na prima, die Manxman ist noch nicht aus Heysham angekommen. So gegen 06:45 Uhr kommt sie dann in den Hafen. Erstmal alle raus, dann die LKW's rein und dann wir Biker. Und was haben wir uns alle über die völlig sinnfreie Boarding Time um 05:45 Uhr gefreut. So gegen 07:30 Uhr können wir dann endlich auf die Fähre. Ich kicke meine Zündapp an, worauf der Motor ein paar mal zündet und dann ausgeht. Mist, was ist das denn? Hat die Motoplat aufgegeben? Ich sehe mich schon das Moped unter großem Gejohle auf die Fähre schieben. Hat doch tatsächlich die gute alte Bosch-Zündkerze den Geist aufgegeben. Neue Iridium-Kerze rein und der Motor schnurrt wieder. Da bleibt mir das Schieben erspart. Wohlwollendes Nicken der umliegenden Biker.



Gegen 12:30 Uhr verlassen wir die Fähre in Heysham und verlieren keine Zeit, da wir heute bis spätestens 18:00 Uhr in Kingston up Hull auf der anderen Seite der britschen Insel ankommen müssen um unsere P&O Fähre nach Rotterdam nicht zu verpassen. Wir fahren auf der Autobahn ALL-IN und mit dem starken Rückenwind geht der Drehzahlmesser selten unter 7500U/min. Die LKW in Großbritannien haben anscheinend keine 90 km/h Begrenzer wie bei uns, sondern fahren z.T. mit 105km/h (GPS). Da muss es schon länger bergab gehen, dass wir da mit allen vier Zündapps liegend vorbeikommen. Nach 245km kommen wir gegen 15:30 Uhr im Hafen an. Wir tanken wie immer nochmal voll und das Boarding geht hier ruck zuck.



Erstmal wird geduscht und etwas geruht, da wir ziemlich müde sind. Das frühe Aufstehen und die Konzentration bei der Autobahnfahrt macht doch müde. Nach einer ruhigen Überfahrt kommen wir am Donnerstag um 08:45 Uhr in Rotterdam an.

30.05.2024
Ab hier hatten wir ja eigentlich keinen Zeitdruck mehr und ich hatte vorgeschlagen die Heimfahrt noch mit einer Übernachtung und kurvigen Straßen zu verlängern. Katharina und Victoria sind aber am Freitag morgen schon wieder zum 24h Rennen am Nürburgring verabredet, also Navi einschalten und 470km Vollgas nach Hause. Einen Abstecher nach Rotterdam gönnen wir uns dann doch noch. In Asten, kurz vor Venlo, halten wir zum Mittagessen und tanken an einm Truckstop an. Sehr lecker, freundlich und preiswert.



Bei Mönchengladbach hatten wir noch einen kurzen Regenschauer, ansonsten war die Rückfahrt trocken. Um 16:36 Uhr kommen wir wohlbehalten zu Hause an. Was für ein Ritt! Was für ein unvergessliches Erlebnis. Die Zündapps haben nach über vierzig Jahren nichts von Ihrer Zuverlässigkeit eingebüst. Wenn man es mit den "Optimierungen" nicht übertreibt, sind sie weiterhin vollgasfest und man kann durchaus mit ihnen auf Reisen gehen und unvergessliches Erleben.

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